Bogovachisghele (Mtskheta-Mtianeti, Georgien)

Abschlussarbeiten

am Herbarium Haussknecht
Bogovachisghele (Mtskheta-Mtianeti, Georgien)
Foto: J. Hentschel

Themenvorschläge für Qualifikationsarbeiten am Herbarium Haussknecht

Verbreitung und Ökologie zweier Doppelhaarmoose in Thüringen Eintrag erweitern
Flexitrichum flexicaule (Foto und Verbreitungskarte) und Flexitrichum gracile (Herbarbeleg). Flexitrichum flexicaule (Foto und Verbreitungskarte) und Flexitrichum gracile (Herbarbeleg). Illustration: Herbarium Haussknecht

Das Verbogenstielige Doppelhaarmoos, Ditrichum flexicaule (Schwägr.) Hampe, gilt als ausgesprochener Basenzeiger. Die Art kommt nach Sauer (2000) und Meinunger & Schröder (2007) an offenen bis mäßig beschatteten Stellen auf Humus und Erde, meist auf flachgründigen, kalkhaltigen Plätzen über Felsen, in Trockenrasen, in aufgelassenen Steinbrüchen sowie selten an alten Mauern vor. Ditrichum flexicaule kennzeichnet den Verband Ctenidion mollusci Ştef. ex Kl. 1948, an trockensteinigen Standorten, besonders in Steinbrüchen findet sich die Art meist im Tortelletum inclinatae Stod. 1937.

Ditrichum flexicaule (Schwägr.) Hampe ist eine bekanntermaßen sehr vielgestaltige Art, welche sich vor allem durch ihren meist kompakten Wuchs und das Vorhandensein von Bruchtrieben auszeichnet. Ditrichum flexicaule var. sterile (De Not.) Limpr. wurde in jüngerer Zeit mehrfach als eigenständige Art, Ditrichum gracile (Mitt.) Kuntze, abgetrennt. Die typischerweise hochwüchsigen Pflanzen mit ihren langen und dünnen Blättern lassen sich nach Lüth (2006) außerdem durch Abweichungen im Blattquerschnitt und im Blattzellnetz von D. flexicaule (Schwägr.) Hampe unterscheiden. Nach Meinunger & Schröder [2007, als D. flexicaule var. sterile (De Not.) Limpr.] existieren jedoch Zwischenformen, weshalb sie keine Angaben zur Verbreitung in Deutschland machen. In der aktuellen Checkliste für Europa werden beide basierend auf den molekularsystematischen Untersuchungen von Fedosov et al. (2016) als Flexitrichum flexicaule (Schwägr.) Ignatov & Fedosov beziehungsweise F. gracile (Mitt.) Ignatov & Fedosov geführt (Hodgetts et al. 2020).

Im Herbarium Haussknecht werden zahlreiche, bislang noch nicht überprüfte Kollektionen von Flexitrichum flexicaule aus Mitteldeutschland aufbewahrt. Diese sollen genutzt werden, um Verbreitungslücken zu schließen und Aussagen über die ökologischen Präferenzen beider Arten zu formulieren. Neben der Auswertung der historischen Kollektionen, sind Vegetationsaufnahmen an ausgewählten Standorten vorgesehen, um zu überprüfen, inwieweit sich die beiden Arten in ihren Habitatansprüchen unterscheiden.

Die hier vorgeschlagene Qualifizierungsarbeit wird von Jörn Hentschel betreut. Der erforderliche Arbeitsplatz und die Arbeitsmaterialen werden im Herbarium Haussknecht zur Verfügung gestellt.

Fotos:
oben links: Flexitrichum flexicaule (Schwägr.) Ignatov & Fedosov mit Bruchtrieben im Steinbruch Mönchsberg bei Göschwitz (23.01.2021, Jörn Hentschel).
unten links: Von Rolf Marstaller gesammelter Beleg des Flexitrichum gracile (Mitt.) Ignatov & Fedosov vom Singer-Berg (Herbarium Haussknecht).
rechts: Verbreitung von Flexitrichum flexicaule (Schwägr.) Ignatov & Fedosov s. l. in Deutschland (http://www.moose-deutschland.de/organismen/ditrichum-flexicaule-schw%C3%A4gr-hampe).

Literatur:
Hodgetts, N. G., Söderström, L., Blockeel, T. L., Caspari, S., Ignatov, M. S., Konstantinova, N. A., Lockhart, N., Papp, B., Schröck, C., Sim-Sim, M., Bell, D., Bell, N. E., Blom, H. H., Bruggeman-Nannenga, M. A., Brugués, M., Enroth, J., Flatberg, K. I., Garilleti, R., Hedenäs, L., Holyoak, D. T., Hugonnot, V., Kariyawasam, I., Köckinger, H., Kučera, J., Lara, F. & Porley, R. D. 2020. An annotated checklist of bryophytes of Europe, Macaronesia and Cyprus. – J. Bryol. 42(1): 1–116.

Lüth, M. 2006. Neue Moosfunde aus Südbaden und Bemerkungen zu einigen kritischen Arten. – Herzogia 19: 323–339.

Marstaller, R. 2018. Die Moosgesellschaften des Naturschutzgebietes „Jenaer Forst“ 160. Beitrag zur Moosvegetation Thüringens. – Haussknechtia 14: 83–147.

Meinunger, L. & Schröder, W. 2007. Verbreitungsatlas der Moose Deutschlands. Band 2. – Regensburg: Verlag der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft von 1790 e. V. 699 pp. [German].

Sauer, M. 2000. Ordnung Dicanales. Dicranaceae. Gabelzahnmoose. In: Nebel, M. & Philippi, G. (Hrsgs.) Die Moose Baden-Württembergs. Band 1: Allgemeines Teil. Spezieller Teil (Bryophytina I, Andreaeales bis Funariales). – Stuttgart: Ulmer.

 

Verbreitung und Ökologie der Kegelkopfmoose in Thüringen Eintrag erweitern

Das Kegelkopfmoos, Conocephalum conicum (L.) Dumort., ist das größte und augenfälligste thallose Lebermoos unserer Heimat. Das Areal der Art umfasst die borealen und temperaten Regionen der nördlichen Hemisphäre. In Thüringen bildet C. conicum oft ausgedehnte, konkurrenzkräftige Decken auf beschatteten Steinen oder Erdblößen. Man kann sie in feuchten Tälern und an Bachrändern regelmäßig finden.

Im Jahre 2005 wurde ein ebenfalls holarktisch verbreitetes Segregat von Conocephalum conicum beschrieben. Die Verbreitung von C. salebrosum Szweyk., Buczk. & Odrzyk. ist in Deutschland noch sehr unvollständig bekannt. Vorläufige Untersuchungen deuten darauf hin, dass beide Arten etwas unterschiedliche Standortansprüche besitzen.

Im Herbarium Haussknecht werden zahlreiche, bislang noch nicht überprüfte Kollektionen von C. conicum aus Mitteldeutschland aufbewahrt. Diese sollen genutzt werden, um Verbreitungslücken zu schließen und Aussagen über die ökologischen Präferenzen beider Arten zu formulieren. Neben der Auswertung der historischen Kollektionen, sind Vegetationsaufnahmen an ausgewählten Standorten vorgesehen.

Die hier vorgeschlagene Arbeit wird von Jörn Hentschel betreut. Der erforderliche Arbeitsplatz und die Arbeitsmaterialen werden im Herbarium Haussknecht zur Verfügung gestellt. Für weiterführende Informationen zum Thema kontaktieren Sie bitte Jörn Hentschel im Herbarium Haussknecht.

Conocephalum conicum (L.) Dumort. und C. salebrosum Szweyk., Buczk. & Odrzyk. Conocephalum conicum (L.) Dumort. und C. salebrosum Szweyk., Buczk. & Odrzyk. Foto: J. Hentschel
Molekularsystematische Untersuchungen zu den Frullania-Arten Kubas Eintrag erweitern

Kuba beherbergt circa 500 Lebermoosarten und gilt somit als Moosdiversitätshotspot in der Karibik. Unter den diversen beblätterten Lebermoosen, die dort beheimatet sind, kommen auf der Insel etwa 30 Vertreter der Gattung Frullania vor. Die Pflanzen sind vor allem durch die typischen zylindrischen bis helmförmigen Unterlappen, welche fast frei vom Oberlappen liegen, gekennzeichnet. Vor allem auf Grund der Unterlappengestalt und -stellung lassen sich die Frullania-Arten in unterschiedliche Untergattungen aufteilen, von denen nach heutigem Kenntnisstand auf Kuba sieben vorkommen, nämlich Meteoriopsis, Thyopsiella, Frullania, Chonanthelia, Homotropantha, Caulisequa (Ex-Diastaloba IV), Diastaloba (I–III). Doch die Variabilität mancher Taxa innerhalb einer Untergattung ist so hoch, dass häufig die Grenzen zwischen dem einen und dem anderen morphologisch nicht mehr zu setzen sind. Mittels molekularsystematischer Untersuchungen soll ans Licht gebracht werden, welchen Verwandtschaftsgrad kritische Sippen besitzen, um eine sichere Pflanzenbestimmung zu erleichtern.

Die hier vorgeschlagene Arbeit wird von Bernardo Cañiza, Dimitrij Trofimov und Jörn Hentschel betreut. Der erforderliche Arbeitsplatz und die Arbeitsmaterialen werden zur Verfügung gestellt. Für weiterführende Informationen zum Thema kontaktieren Sie bitte Bernardo Cañiza im Herbarium Haussknecht.

Zwei auf Kuba vorkommende Frullania-Arten. Zwei auf Kuba vorkommende Frullania-Arten. Foto: B. Cañiza
Taxonomische Signifikanz der initialen Astanhänge zur Gliederung der Lebermossgattung Frullania Raddi Eintrag erweitern

Die Gattung Frullania Raddi umfasst weltweit über 300 Arten und gehört damit zu den größten Gattungen der beblätterten Lebermoose. Obwohl die Vertreter durch die Ausbildung der typischen Wassersäcke unverwechselbar sind, werden die Gliederung der Gattung sowie zahlreiche Artkonzepte gegenwärtig kontrovers diskutiert. Erste molekularsystematische Untersuchungen zeigen, dass das die bislang verwendete, allein auf wenigen morphologischen Merkmalen basierende Klassifikation, an vielen Stellen unnatürlich ist und dringend einer Überarbeitung bedarf. Es konnte gezeigt werden, dass häufig Merkmale in unterschiedlichen Gruppen unabhängig voneinander entstanden sind.

Ein Merkmal, welches geeignet für die interne Klassifikation der Gattung sein könnte, stellt die Ausbildung des ersten Astblattes und des ersten Astunterblattes nach einer Verzweigung dar. Es soll anhand von Herbarmaterial überprüft werden, ob die unterschiedlichen Merkmalszustände für bestimmte Gruppen charakteristisch sind und mit den vorhandenen phylogenetischen Hypothesen übereinstimmen.

Die hier vorgeschlagene Arbeit wird von Jörn Hentschel betreut. Der erforderliche Arbeitsplatz und die Arbeitsmaterialen werden im Herbarium Haussknecht zur Verfügung gestellt. Für weiterführende Informationen zum Thema kontaktieren Sie bitte Jörn Hentschel im Herbarium Haussknecht.

Frullania kunzei (Lehm. & Lindenb.) Lehm. & Lindenb. Frullania kunzei (Lehm. & Lindenb.) Lehm. & Lindenb. Foto: J. Hentschel
Morphologische Untersuchungen zur Unterscheidung der beiden Laubmoosarten Pseudoleskeella nervosa (Brid.) Nyholm und Leskeella incrassata (Lindb. ex Broth.) Broth. Eintrag erweitern
Leskea nervosa (Brid.) Myrin ex Bruch et al., Bryologia europaea 1850, 5: 135 (fasc. 44–45) Leskea nervosa (Brid.) Myrin ex Bruch et al., Bryologia europaea 1850, 5: 135 (fasc. 44–45) Foto: Herbarium Haussknecht

Leskea incrassata Lindb. ex Broth. wurde von Brotherus (1893) für den Kaukasus beschrieben und soll sich von der in der nördlichen Hemisphäre weit verbreiteten Pseudoleskeella nervosa (Brid.) Nyholm vor allem durch die spitzenwärts mehrzellschichtige Blattlamina unterscheiden. Gegenwärtig wird L. incrassata als Synonym zu P. nervosa gestellt (z. B. Ignatov et al. 2006, Ros et al. 2013). Vorläufige morphologische Untersuchungen von Aufsammlungen aus Transkaukasien legen jedoch nahe, dass es sich tatsächlich um zwei unterschiedliche Arten handeln könnte.

Im Herbarium Haussknecht werden zahlreiche, bislang noch nicht untersuchte Kollektionen von Pseudoleskeella nervosa aus dem gesamten Verbreitungsgebiet der Art aufbewahrt. Diese sollen genutzt werden, um die von Brotherus (1893) aufgeführten morphologischen Unterscheidungsmerkmale zu überprüfen. Sollte sich herausstellen, dass diese über das gesamte Verbreitungsgebiet mehr oder weniger konstant sind, sollten die Aufsammlungen der jeweiligen Art zugeordnet und das entsprechende Verbreitungsgebiet ermittelt werden.

Die hier vorgeschlagene Arbeit wird von Jörn Hentschel betreut. Der erforderliche Arbeitsplatz und die Arbeitsmaterialen werden im Herbarium Haussknecht zur Verfügung gestellt. Für weiterführende Informationen zum Thema kontaktieren Sie bitte Jörn Hentschel  im Herbarium Haussknecht.

Abbildung:
Leskea nervosa (Brid.) Myrin (Bruch et al., Bryologia europaea 1850, 5: 135 (fasc. 44–45)).

Literatur:
Brotherus, V. F. 1893. Enumeratio muscorum Caucasi. – Acta Soc. Sci. Fenn. 19(12).

Bruch, P., Schimper, P. & Gümbel, T. 1850. Bryologia europaea seu genera muscorum europaeorum monographice illustrata. 5. –  Stuttgart: Schweizerbart.

Ignatov, M. S., Afonina, O. M. & Ignatova, E. A. 2006 [2007]. Checklist of mosses of East Europe and North Asia. – Arctoa 15.

Ros, R. M., Mazimpaka, V., Abou-Salama, U., Aleffi, M., Blockeel, T. L., Brugués, M., Cros, R. M., Dia, M. G., Dirkse, G., Draper, I., El-Saadawi, W., Erdağ, A., Ganeva, A., de Almeida Gabriel, R. M., Gonzales-Mancebo, J. M., Granger, C., Herrnstadt, I., Hugonnot, V., Khalil, K., Kürschner, H., Losada-Lima, A., Luis, L., Mifsud, S. D., Privitera, M., Puglisi, M., Sabovljević, M., Sergio, C., Shabbara, H. M., Sim-Sim, M., Sotiaux, A., Tacchi, R., Vanderpoorten, A. & Werner, A. 2013. Mosses of the Mediterranean, an annotated checklist. – Cryptog. Bryol. 34(2): 99–283.

Kartierung der Diversität epiphytischer Moose und/oder Flechten als Indikatoren für Luftqualität – Biologische Messverfahren zur Ermittlung und Beurteilung der Wirkung von Luftverunreinigungen (Bioindikation) Eintrag erweitern
Flechten als Indikatoren für die Luftqualität im Stadtgebiet von Jena Flechten als Indikatoren für die Luftqualität im Stadtgebiet von Jena Illustration: J. Hentschel, H. Schönewolf

Mit Hilfe der von der Kommission Reinhaltung der Luft im VDI und DIN entwickelten Verfahren ist es schnell und kostengünstig möglich, Gebiete unterschiedlicher Luftqualität gegeneinander abzugrenzen (VDI 3957). Sie liefern Informationen über Wirkungen von Luftschadstoffen und anderen Einflüssen, die auch allgemeine Hinweise für potenzielle Wirkungen auf Menschen und empfindliche Organismen geben können und ermöglichen die Bewertung sowohl der Diversität als auch der Qualität der epiphytischen Moos- und Flechtenvorkommen eines Untersuchungsgebietes (Luftqualität, klimatische Verhältnisse, Biodiversität etc.).

Die Verfahren können sowohl lokal in der Nachbarschaft von Emissionsquellen angewendet werden als auch regional, beispielsweise um Schwerpunkte der Luftbelastung aufzudecken. Dies gilt jedoch nur für Immissionen, auf welche die entsprechende Organismengruppe sensitiv reagieren. Das Ausbleiben einer negativen Reaktion bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass die lufthygienische Situation unbedenklich ist. Darüber hinaus ermöglichen Wiederholungskartierungen die Beurteilung von Veränderungen der Umwelt im Untersuchungsgebiet. Im Rahmen einer Bachelorarbeit wurde im Jahr 2012 eine erste Kartierung epiphytischer Flechten als Bioindikatoren der Luftqualität nach VDI (3957, Blatt 13) auf ausgewählten Flächen im Stadtgebiet von Jena durchgeführt (Schönewolf 2012).

Es ist seit Langem bekannt, dass epiphytische Moose und Flechten auf Grund ihrer anatomischen und physiologischen Ausstattung meist besonders empfindlich auf Luftschadstoffe reagieren (Nylander 1866, Kirschbaum & Hanewald 2009). Im Gegensatz zu technischen Messungen, bei denen die Konzentrationen einzelner Immissionskomponenten ermittelt wird, erlauben es Moose und Flechten die Gesamtwirkung biologisch relevanter Umweltfaktoren zu erfassen. Außerdem zeigen diese Organismen häufig eine artspezifisch abgestufte Empfindlichkeit, wodurch abhängig von der Abundanz bestimmter Arten Rückschlüsse auf die jeweilige Luftqualität möglich sind.

Im Rahmen dieses Themenkomplexes können folgende Schwerpunkte als Einzel- oder Gruppenarbeit bearbeitet werden:

  • Wiederholungskartierung epiphytischer Flechten als Bioindikatoren der Luftqualität nach VDI (3957, Blatt 13) auf ausgewählten Flächen im Stadtgebiet von Jena,
  • Kartierung epiphytischer Moose als Bioindikatoren der Luftqualität nach VDI (3957, Blatt 12) auf ausgewählten Flächen im Stadtgebiet von Jena.

Die hier vorgeschlagenen Arbeiten werden von Jörn Hentschel betreut. Der erforderliche Arbeitsplatz und die Arbeitsmaterialen werden im Herbarium Haussknecht zur Verfügung gestellt. Für weiterführende Informationen zum Thema kontaktieren Sie bitte Jörn Hentschel im Herbarium Haussknecht.

Abbildungen:
Linke Seite oben: Blick vom Landgrafen auf das Stadtgebiet von Jena (11.05.2010, J. Hentschel). Linke Seite unten: Die Pflaumenflechte, Evernia prunastri (L.) Ach., in einem Gebüsch am Rande des Steinbruchs auf dem Mönchsberg bei Göschwitz (23.01.2021, J. Hentschel). Rechte Seite: Luftgüteindizes für das Stadtgebiet von Jena (Schönewolf 2012).

Literatur:
Kirschbaum, U. & Hanewald, K. 2009. Flechten als Anzeiger der Luftgüte und des Klimawandels. – Wiesbaden: Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie & Fachhochschule Gießen-Friedberg. 47 pp.

Nylander, W. 1866. Les Lichens du Jardin du Luxembourg. – Bull. Soc. Bot. France 13: 364–372.

Schönewolf, H. 2012. Kartierung epiphytischer Flechten auf ausgewählten Flächen in Jena und deren ökologische Bewertung. Friedrich-Schiller-Universität Jena: 92 pp.

Libellenfauna von Kleingewässern auf dem Jenaer Forst: Artenspektrum und phänologische Aspekte Eintrag erweitern
Ein makrophytenreiches Kleingewässer auf dem Jenaer Forst und dort verbreitete Libellenarten. Ein makrophytenreiches Kleingewässer auf dem Jenaer Forst und dort verbreitete Libellenarten. Illustration: J. Hentschel

Das ehemalige Kasernen- und Truppenübungsgelände befindet sich in Plateaulage auf dem Jenaer Forst. Das Areal wurde von 2007 bis 2008 als Ausgleichsmaßnahme für den Bau des Jagdbergtunnels (BAB 4) renaturiert und sich nachfolgend weitgehend selbst überlassen. Die offenen Bereiche wurden in extensiv genutztes Grünland umgewandelt. Ein Teil der Fläche wurde zu einem Laubmischwald aufgeforstet. Außerdem wurden acht Himmelsteiche angelegt, um unterschiedlichen Vogel-, Amphibien- sowie Insektenarten ein neues Habitat zu bieten.

Seit 2019 wird die Flora und Fauna eines Himmelsteichs im Rahmen des Projektmoduls "Lebensräume und Naturschutz" von Studierenden unseres Masterstudiengangs erfasst. Dabei fielen bereits im ersten Jahr die zahlreichen Libellenarten auf. Mittlerweile konnten am Teich insgesamt 15 Libellenarten nachgewiesen werden, darunter fallen sieben Kleinlibellenarten (Zygoptera) und acht unterschiedliche Großlibellen (Anisoptera). Die Bestimmung erfolgte auf Sicht und mit Hilfe von an der Teichvegetation zurückgelassenen Exuvien. Weiterhin kam ein Libellenkescher zum Einsatz.

Bemerkenswert ist insbesondere das bodenständige Vorkommen der Großen Moosjungfer [Leucorrhinia pectoralis (Charpentier, 1825)], einer seltenen Segellibelle (Libellulidae). Während die Art in Thüringen mittlerweile auf der Vorwarnliste geführt wird, gilt sie deutschlandweit als stark gefährdet. Außerdem wird sie in der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie in den Anhängen II und IV aufgeführt und ist somit auch eine vom Europäischen Recht geschützte Libellenart.

Ziel des Projektes ist die Libellenfauna unterschiedlicher Kleingewässern auf dem Jenaer Forst zu untersuchen. Dabei soll die Gewässerstruktur, insbesondere der Bewuchs mit Pflanzen, berücksichtigt werden. Im Zuge der Erfassung sollen weiterhin die Bodenständigkeit überprüft werden und vergleichend-phänologische Aspekte detailliert dokumentiert werden (vgl. Chovanec 2017).

Die hier vorgeschlagene Qualifizierungsarbeit wird von Jörn Hentschel betreut. Der erforderliche Arbeitsplatz und die Arbeitsmaterialen werden im
Herbarium Haussknecht zur Verfügung gestellt.

Fotos:
Oben: Ein makrophytenreiches Kleingewässer auf dem Jenaer Forst (24.06.2020, J. Hentschel). Unten rechts: Ein Männchen des Vierflecks (Libellula quadrimaculata Linnaeus, 1758) an einem Kleingewässer auf dem Jenaer Forst (24.06.2019, J. Hentschel). Unten links: Ein Männchen der Kleinen Binsenjungfer [Lestes virens (Charpentier, 1825)] an einem Kleingewässer auf dem Jenaer Forst (01.08.2021, J. Hentschel).

Literatur:
Chovanec, A. 2017. Die Libellenfauna (Odonata) eines Überlauf- und Versickerungsbeckens: Artenspektrum und phänologische Aspekte. – Libellula 36: 23–44.